Gegenwart und Zukunft

Zuständigkeiten und vertragliche Abmachungen waren geregelt und hatten sich bestens bewährt. Die Bundesbahn hatte einen zuverlässigen Vertragspartner hinsichtlich der Verwertung ihrer momentan nicht betriebsnotwendigen Grundstücke und ersparte sich selbst hohe Pflegekosten der ansonsten brach liegenden Flächen. Die Bundesbahn-Landwirtschaft konnte auf ein großes Reservoir landwirtschaftlich oder gärtnerisch nutzbaren Grund und Bodens zurückgreifen. Alles schien Bestens. Sehr vielschichtige Ursachen hatten im Laufe der Jahre aber zur Folge, dass das Unternehmen Deutsche Bundesbahn unter immer größeren wirtschaftlichen und finanziellen Druck geriet. Einerseits wurden Generalpachtflächen für DB-eigene betriebliche Aus- und Neubaumaßnahmen benötigt, andererseits wurden auch immer mehr Flächen für den Straßenbau und andere Infrastrukturmaßnahmen der Kommunen, Länder und des Bundes gebraucht. Das weitere Wirtschaftswachstum und die folgliche Expansion der Unternehmen ließ den Bedarf an geeigneten Grundstücken immer weiter anwachsen. Wurden Betriebsanlagen der DB, z. B. Lokschuppen, Werkstätten usw. stillgelegt, machten diese den Weg frei für zuvor verkehrsmäßig relativ unzugängliche Pachtflächen der Bundesbahn-Landwirtschaft. Es erschlossen sich große Areale, die von der DB lukrativ veräußert wurden. Flächenverluste waren für die Bundesbahn-Landwirtschaft die zwangsläufige Folge.
Mit Inkrafttreten des Eisenbahn-Neuordnungsgesetzes im Dezember 1993 und dem Einstieg in die Privatisierung der DB in 1994 entstand eine grundlegend neue Situation. Das Gesetz sicherte zwar den Bestand der betrieblichen Sozialeinrichtungen, dennoch entstanden Probleme ganz neuer Qualität.
So gibt es z.B. heute nicht mehr einen, sondern mehrere Grundstückseigentümer. Auch andere Leistungen, die bisher die Deutsche Bundesbahn getragen hatte waren vertraglich neu zu regeln (Porto, Büroräume u.v.m.). Als äußeres Merkmal dieser einschneidenden Veränderungen ergab sich eine erneute Namensänderung unserer Einrichtung.
Die „Bahn-Landwirtschaft“ war entstanden. Organisation und Aufgabengebiet haben sich zwar nicht geändert. Dennoch erfordert dieser Schnitt vielfältige Anpassungsprozesse, deren Ende noch nicht abgesehen werden kann. Der Zug ist abgefahren und in voller Fahrt. Wohin diese geht, wissen wir aber erst, wenn die DB-Privatisierung vollends umgesetzt und abgeschlossen ist. Bereits heute kann aber festgestellt werden, dass die Bahn-Landwirtschaft aus diesem Prozess ein qualitativ völlig neues, vielleicht sogar gefestigteres Selbsbewusstsein gewonnen hat.
Wer auch immer diese Seiten in der Zukunft einmal pflegen wird, er (oder sie) wird nicht umhinkommen, einige weitere Kapitel, mit hoffentlich erfreulichem Inhalt, hinzuzufügen. Interessant werden sie allemal sein.